Arbeitsmigration und Globalisierung

(Kommentar)

Deutschland ist ein Einwanderungsland.
Dies ist ein Satz, der für ein Deutschland steht, das mitten in seiner Blüte stand. Es war die Zeit, als Deutschlands Wirtschaft in voller Blüte stand und das so genannte Wirtschaftswunder zu bestaunen war. Dieses Wunder ist jedoch nicht von den Deutschen alleine bewerkstelligt worden, sondern auch durch die Mithilfe von tausenden Gastarbeitern aus Polen, der Türkei, Italien und noch vielen anderen Ländern. Ihnen ist es zu verdanken, dass Deutschland nach der fast kompletten Zerstörung der heimischen Industrie wieder zu alter Stärke zurückfand, da ohne sie nicht der Aufschwung in späteren Jahren aufrecht geblieben wäre. Kein Wunder also, dass die Migration solcher Arbeiter aus der Türkei zum 50. Jahrestag groß gefeiert wurde.
Die Arbeitsmigration ermöglichte es Deutschland, wieder bei den Großen der Macht, der USA, Großbritannien und Frankreich, mitzusprechen und folglich war die Einwanderung und die Arbeitsmigration ein wichtiger Teil deutscher Nachkriegsgeschichte.
Doch die Zeiten sind vorbei. Das Wirtschaftswunder ist lange her und nach Gastarbeitern wird auch nicht mehr gesucht.
Heute beklagen wir, dass wir als so bekanntes Einwanderungsland Auswanderungsprobleme haben, was wie ein Paradoxon klingt.
Man könnte sich jetzt fragen, wie es sein könne, denn es werde doch in der Öffentlichkeit immer nur über die immer größer Problematik der Segregation von kulturellen Gruppen berichtet, wodurch der Eindruck entstehe, dass man mehr als genug Einwanderung habe.
Doch es ist nicht so. Denn aufgrund der Globalisierung, werden hochqualifizierte Fachkräfte gesucht und genau dadurch entsteht ein Problem für Deutschland. Hochqualifizierte aus Deutschland suchen immer wieder ihr Glück im Ausland und Deutschland scheint diesem Trend nicht entgegen wirken zu können. Deutschland erfährt einen Braindrain, wodurch es in Zukunft seine Machtrolle in der Welt verspielen wird, denn das Land der Dichter und Denker verliert zusehends an Selbigen. Dies liegt alleine daran, dass Deutschland ihnen keine Perspektive bietet. Man kann zwar nicht sagen, dass das Leben in Deutschland schlecht ist, wenn man von Kleinigkeiten wie regnerische Sommer absieht, doch bietet das Ausland um so mehr. Besonders wenn es um Arbeits- und Lebensqualität geht, sieht man sein Glück eher in anderen Ländern als Deutschland. Doch es ist nicht so, dass Deutschland nichts bietet.
Deutsche Produkte und die deutsche Wirtschaft haben einen guten Ruf im Ausland.
Haben Sie sich schon mal mit Ausländern über Deutschland unterhalten? Glauben Sie mir, wenn Sie es tun, fallen bestimmt mal die Wörter „German Engineering“ im positiven Zusammenhang. Eigentlich sollten wir stolz drauf sein, dass unsere Arbeit geschätzt wird, doch fällt es schwer, wenn genau dies der Grund ist, warum deutsche Hochqualifizierte ins Ausland gehen.
Ihr Ansehen dort ist viel höher und dies steht meistens leider proportional zum Gehalt. Auch ihre Chancen in der Karriere sind viel höher und die Steuerlast meist geringer. Kein Wunder also, dass die intellektuelle Spitze von alleine drauf kommt, dass das Leben im Ausland besser ist.
Nun stellt sich doch die Frage, was tut die Regierung dagegen?
Nichts? Ja, es scheint so. Die Wirtschaft beklagt sich Jahr für Jahr über diese Problematik, doch eine Besserung ist nicht zu sehen. Wo sind die Maßnahmen, die Deutschland über das Problem hinweg helfen. Einerseits könnte man versuchen, die Lebensbedingungen hierzulande zu verbessern und so Anreize zum Verbleib zu bieten, doch dies scheitert auch schon an Kleinigkeiten wie das Auswahlverfahren von Lehrstühlen an der Uni, was für viele Hochqualifizierte ein Dorn im Auge ist. Sie wollen sich weiter entwickeln und ihr Wissen anderen vermitteln, doch wird ihnen dies kaum ermöglicht und man schafft es auch nicht, die Prozesse zugunsten der Hochqualifizierten zu verbessern.
Anderseits könnte man auch wieder auf die Arbeitsmigration setzen, doch auch hier stellte man sich selbst ein Bein. Die Freizügigkeit in Europa nutzte man nicht, da es für Hochqualifizierte eine Mindestgehaltgrenze von 66000€ gab. Man hätte auch gleich die Einwanderung verbieten können und es hätte die Einwanderungszahlen nicht drastisch verändert.
Doch endlich setzt die Bundesregierung an diesem Punkt an und versucht das Problem zu lösen. Die Ideen zur neuen „Blue Card“ klingen vielversprechend und es ermöglicht es endlich, dass die Hochqualifizierten endlich einen erleichterten Einwanderungsprozess nach Deutschland erhalten. Die Mindestgehaltgrenze  wurde auf 44000€ gesenkt und für Mangelberufe wie Ärzte und Ingenieure sogar auf 33000€. Damit wird endlich ermöglicht, dass die so dringend in der Wirtschaft gebrauchten Ingenieure nach Deutschland kommen können. Einziger Wehmutstropfen bleibt jedoch, dass dieses Projekt auf bisher auf 3500 Personen beschränkt ist.
Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch es reicht noch lange nicht. Es muss einfach noch mehr von der Regierung für Deutschland getan werden.
Wenn die geschieht, dann wird es in der doch bisher trotz Krise prächtigen Wirtschaft noch weiter bergauf gehen. Doch geschieht dies nicht, wird der Fachkräftemange noch große Konsequenzen mit sich ziehen und die deutsche Wirtschaft weit nach hinten werfen.



Schule : Ricarda Huch-Gymnasium Gelsenkirchen
Klasse : 13
Fach : Sozialwissenschaften
Autoren : Andre Nowroth, Laura Kiontke, Sophie Dudzik

Arbeitsmigration und Globalisierung

Informationen zum Beitrag

Titel
Arbeitsmigration und Globalisierung
Autor
Andre Nowroth, Laura Kiontke, Sophie Dudzik
Schule
Ricarda-Huch-Gymnasium, Gelsenkirchen
Klasse
Zusatzkurs Sozialwissenschaften von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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