Pferde lassen nicht alles auf sich sitzen

Sattel

Ein Hoflieferant seiner Majestät, des Kaisers und Königs – diese Auszeichnung hat die G.Passier und Sohn GmbH schon im Jahr der Gründung 1867 erhalten. Denn damals war das Unternehmen Regimentssattler des Königs-Ulanen-Regiments Nr. 13 in Hannover. Auch heute noch beweist Passier seine Qualitäten als Hoflieferant, denn nicht nur Sportreiter aus aller Welt, sondern auch saudische Prinzen kaufen die handgefertigten Unikate, die für solch extravagante Reiter auch schon mit Goldbeschlägen hergestellt wurden. Für die Grenzkontrollen in den Anden wurde das chilenische Militär mit Reitausrüstung von Passier ausgestattet, und auch die Ehrengarde des ägyptischen Präsidenten saß in einem Passier-Sattel.
Der nach eigenen Angaben in Deutschland führende Sattelhersteller hat 83 Mitarbeiter. Es gibt eine Änderungs- und Reparaturabteilung. Der Marktanteil beträgt rund 30 Prozent, das entspricht etwa dem Anteil des italienischen Herstellers Prestige. Das gilt jedoch nur für den hochpreisigen Bereich, also für Sättel von 1250 Euro an aufwärts. Das Unternehmen aus Langenhagen bei Hannover verkauft nur an Reitsportfachhändler und hat in Deutschland etwa 400 Kunden. Weltweit gibt es in 45 verschiedenen Ländern 750 Kunden. Der Exportanteil des Unternehmens liegt bei 43 Prozent, und dieser Wert ist seit Jahren stabil. Passier hat nicht nur Sättel im Programm. Neben Dressursätteln sind Trensenzäume die am meisten verkauften Produkte. Die Kunden von Passier sind überwiegend Reiter, die mit Warmblutpferden an Dressur- und Springturnieren teilnehmen. „Weniger gefragt sind Produkte für Isländer“, sagt Geschäftsführer Georg Kannemeier. Mit rund 50000 Pferden von etwa einer Million in Deutschland gehören die Isländer zu den beliebtesten Rassen, ihre Liebhaber versorgen sich aber meist über spezialisierte Anbieter.
Passier bietet auch Importartikel an, darunter Schabracken, Fleece-Decken und Bandagen. Die höchste Gewinnspanne wird aber bei den Sätteln erzielt, die je nach Ausstattung zwischen rund 1500 und 2900 Euro kosten. Der Preis erklärt sich durch den hohen Anteil an Handarbeit. „80 Prozent Handwerkstiefe, also nahezu kein Maschineneinsatz“, erläutert Kannemeier.
Das Familienunternehmen ist Mitglied im Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie. Auch mit bekannten Sportreitern wie Marcus Ehning pflegt Passier eine Partnerschaft. „Passier als Familienunternehmen, genau wie unser Betrieb, steht für Qualität und Bodenständigkeit. Wir arbeiten seit langer Zeit erfolgreich zusammen“, erklärt Ehning. So entstanden in Zusammenarbeit pferdefreundliche Marcus-Ehning-Produkte von Passier.
Besonders schwierig für alle Sattelhersteller sind Pferde mit kurzem Rücken, wie sie immer häufiger gezüchtet werden. Die Sattellage wird dadurch kürzer, der Reiter aber nicht schlanker. Dann besteht das Risiko, dass der Sattel dem Pferd in die Nieren drückt. Passier bietet für solche Pferde das Modell „Compact“ an. Dieser Sattel sei sowohl für das Pferd als auch für den Reiter die optimale Lösung, sagt Kannemeier. Der Sattel ist so geschnitten, dass er dem Pferd viel Schulter- und Widerristfreiheit bietet. Durch eine kurze Auflagefläche bei gleichzeitig großer Sitzfläche soll verhindert werden, dass der Sattel dem Pferd nicht passt. Passier bietet den Compact für knapp 2900 Euro an.
Die Produkte unterliegen einer strengen Qualitätskontrolle. Besonders garantiert Passier die Qualität der Sattelbäume – das ist das Herz eines Sattels, der Baum verleiht ihm Stabilität. Passier stellt zwei verschiedene Ausführungen her. Der PS-Sattelbaum wird seit 50 Jahren produziert und bis heute ausschließlich von Sattlermeistern aus Langenhagen hergestellt. Dafür benötigt es mehr als 1200 Arbeitsschritte. Der Sattelbaum besteht hauptsächlich aus Holz und Leder. Außerdem werden Bambusstreifen in den Sattel eingearbeitet, um ein höchstes Maß an Flexibilität zu erreichen. Der K-Sattelbaum hingegen besteht aus Kunststoff, „einem Material, das unter Weltraumbedingungen getestet wurde“, verspricht Passier.
Passier hat zwei Weltkriege und alle Wirtschaftskrisen im Zeitraum ihres Bestehens gemeistert. Auch das Krisenjahr 2009 hat das Unternehmen laut Kannemeier gut überstanden. Während der Wirtschaftskrise sank der Umsatz 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent. Seit 2010 steigt er wieder; er lag 2011 nach Angaben Kannemeiers im oberen siebenstelligen Bereich. „Unsere Vorsteuerrendite ist mit derzeit 9 Prozent für einen Handwerksbetrieb sehr gut“, erklärt Kannemeier.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Pferde lassen nicht alles auf sich sitzen
Autor
Sabrina Marschall
Schule
Eichsfeld-Gymnasium , Duderstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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