Die Gäste wollen Krach kriegen

Mehrere Player und einen Mixer: Das brauchen professionelle DJs, um Clubbesucher zum stundenlangen Tanzen zu bewegen. Amateuren genügt eine schlichtere und günstigere Ausstattung.

Flackernde Lichter, die Menge tanzt ausgelassen zur lauten Musik, die der Discjockey auflegt. Der ist von Technik umgeben: von mehreren Playern und einem Mixer; außerdem hat er auf einem USB-Stick die Musik für den Abend gespeichert. Die Ausstattung für DJs stammt in fast allen deutschen Diskotheken vom japanischen Unterhaltungselektronik-Konzern Pioneer. „Pioneer ist der Clubstandard“, sagt Frank Koopmann, der in Bremen die Vibra School of DJing leitet. „Mehr als 90 Prozent der etwa 3000 Diskotheken in Deutschland arbeiten mit unserem DJ-Equipment“, ergänzt Marcus Gierkens von der in Willich ansässigen Pioneer Electronics Deutschland GmbH.

Die Player stellen die Quelle der Musik dar und können Elemente des Stücks verändern, zum Beispiel Abschnitte wiederholen oder Toneffekte einbauen. Mit dem Mixer mischt man die Musikstücke aus den verschiedenen Playern ineinander, um nahtlose Übergänge zu erreichen, die Lautstärke auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten und die Höhen und Tiefen zu verändern. Das Ziel eines jeden DJs ist ein harmonischer Mix, nach dem die Clubbesucher durchgehend tanzen können. Die neueren Spieler können wegen des Trends zu digitaler Musik nicht nur CDs und DVDs wiedergeben, sondern auch die Musik von USB-Speichern. Im Profisegment gibt es nach Angaben von Fachleuten aber keine Alternative zu CD-Playern, da sie die höchste Qualität sowie die meisten Funktionen und Effekte bieten.

Pioneer stellt seit den neunziger Jahren Produkte für das DJing her. Es entwickelte sie aus der Technik für Karaoke. Vorher hatten sich DJs ihr Setup, wie der Verbund aus Geräten in der Fachsprache heißt, aus Plattenspielern und einem Mischpult selbst zusammengebaut. Setups für Diskotheken können bis zu 6000 Euro kosten, einzelne Geräte sind von 900 Euro an zu haben. Setups, die zudem das Kontrollieren der Lichttechnik ermöglichen, kosten bis zu 20000 Euro. Während Pioneer bei CD-Playern mit einem Anteil von 95 Prozent nach eigenen Angaben Marktführer ist, gibt es für Mischpulte und Mixer noch zwei weitere wichtige Anbieter: Allen & Heath Ltd. in Großbritannien und das japanische Unternehmen Denon. Pioneer habe aber auch hier einen Marktanteil von 35 bis 40 Prozent, sagt Gierkens.

„Deutschland ist in Europa der größte Markt“, berichtet er weiter. 20 Prozent der in Europa verkauften Geräte werden im deutschsprachigen Raum abgesetzt. Dabei entfalle rund die Hälfte des Umsatzes auf die Player, 20 Prozent auf die Mixer und 25 Prozent auf Controller. Der Mutterkonzern weist für das vergangene Geschäftsjahr 2012/2013 (bis März) einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro aus. Die deutsche Tochtergesellschaft hat im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Erlös von 80 Millionen Euro und einen Überschuss von 1,8Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatzanstieg seit 2010 sei zu einem guten Teil auf den hohen Umsatz mit DJ-Equipment zurückzuführen, heißt es. Allerdings habe Pioneer in Deutschland das Problem, dass der Markt zunehmend gesättigt sei, sagt Gierkens. Mit rund 3000 Diskotheken und den professionellen DJs kommt man auf ungefähr 6000 potentielle Kunden. Um auf dem Stand der Technik zu bleiben, müsse eine Diskothek etwa alle drei Jahre eine neue Ausrüstung kaufen.

Pioneer bietet auch Geräte für „Bed- room-DJs“ an. Diese Amateure seien kaum bereit, die hohen Preise für eine Profi-Ausstattung zu bezahlen, sagt Discjockey Koopmann. Unter ihnen besonders beliebt sind die DJ-Controller. Diese sind dem klassischen Verbund von Mixer und Playern nachempfunden. Man hat alle Regler für Höhen, Tiefen, Geschwindigkeit, Lautstärke und Effekte. Die Musikquelle ist ein Computer mit einer MP3-Mediathek. Mit dem Controller, der mit dem Computer verbunden wird, steuert man dann die auf dem PC installierte Software. Man kann wie bei richtigen Playern und Mixern die Stücke ineinandermischen und bearbeiten. DJ-Controller für Einsteiger sind mit Preisen unter 800 Euro recht erschwinglich. Pioneer verkauft davon in Deutschland 15000 Stück im Jahr.

Den Trend zu preiswerterer Technik für Nichtprofis hat Pioneer laut Gierkens etwas verschlafen; man ziehe nun aber nach. 2011 stellte das Unternehmen die ersten DJ-Controller vor. Nun will es zu den Großen dieses Geschäftes, zum Beispiel dem amerikanischen Hersteller Numark und dem Berliner Unternehmen Native Instruments, aufschließen.

Der Markt für Amateure wächst auch durch DJs, die es in die Charts schaffen. Größen wie der französische Discjockey David Guetta motivierten Jugendliche, ihm nachzueifern und sich mit Einsteigerequipment auszustatten, sagt Koopmann. Doch sei die Technik nur die halbe Miete. „Wenn du ein guter DJ bist, kann sie dich besser machen, aber sie macht dich nicht zum guten DJ.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Gäste wollen Krach kriegen
Autor
Fabian Schmidt
Schule
Oberschule Rockwinkel , Bremen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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