Damit Frauen etwas über die Lippen bringen

Der moderne Lippenstift ist 100 Jahre alt. Millionen von Frauen benutzen ihn täglich. Dabei stellt sich wohl kaum eine die Frage, wie die Füllungen in ihre Behälter gelangen, und das in einer so gleichmäßigen Form. Dafür sorgt die Weckerle GmbH aus Weilheim in Oberbayern. Das von Peter Weckerle 1965 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben der international führende Hersteller von Kosmetikmaschinen; früher war es einmal eine kleine Feinmechanikwerkstatt.

Die Idee, Abfüllmaschinen herzustellen, kam Weckerle zufällig. Während einer Urlaubsreise in den siebziger Jahren traf er den Geschäftsführer von Avon Kosmetik. Dieser erzählte, dass seine Mitarbeiter sehr mühsam die Produkte mit der Hand herstellen müssten. Daraufhin schlug Weckerle vor, eine halbwegs automatische Lippenstiftmaschine zu entwickeln und zu bauen. So entstand die erste automatische Lippenstiftabfüllmaschine.

Im Jahr 2012 hatte das Unternehmen in dieser Branche einen selbstgeschätzten Weltmarktanteil von 70 Prozent. 85 Prozent aller Lippenstifte auf der Welt würden auf Weckerle-Anlagen produziert. Neben den Lippenstiftabfüllmaschinen werden Maschinen für die Abfüllung von Make-up-Puder, Nagellack, Deodorantstiften, Kosmetikstiften, Klebestiften sowie von Tuben, etwa für Senf und Meerrettich, entwickelt. Das Unternehmen teilt sich in Weckerle Machines und Weckerle Cosmetics auf. Man verfügt über Niederlassungen in Brasilien, den Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich und der Schweiz.

Die Weckerle GmbH beschäftigt rund 250 Mitarbeiter, von denen 100 im Maschinenbau tätig sind. Im Jahr werden acht bis zehn Maschinen gebaut. "Der Preis einer solchen Abfüllmaschine liegt zwischen 400 000 und 2,5 Millionen Euro", sagt Dieter Weber, Verkaufsmanager von Weckerle. "Dies ist abhängig von der Konfiguration der Anlage. Einige Kunden benötigen nur die Füllmaschine, und manche Kunden greifen auf die komplette Prozesslinie zurück, vom Füllen bis hin zum Etikettieren und Kartonieren."

Es wird zwischen linearen Maschinen und Rundtischmaschinen unterschieden. Während die Linearmaschinen hauptsächlich für die Befüllung von Mascarafläschchen, Lipgloss und anderen Kosmetikprodukten verwendet werden, produziert die Rundtischmaschine Lippenstifte. Dabei wird die Lippenstiftmasse nicht direkt in die Hülsen gefüllt, sondern erst im heißen Zustand in die jeweilige Gießform, damit sie in die gewünschte Form gebracht werden kann. Die Gießformen werden auf einem drehbaren Tisch gelagert und sind je nach Wunsch des Kunden austauschbar. Für jede einzelne Maschine stehen neunzig verschiedene Gießformen zur Verfügung. Im Rundtakttisch werden dann die Formen mit kaltem Wasser abgekühlt, damit die heiße, flüssige Lippenstiftmasse erstarrt. Dann werden die Lippenstiftminen mit Hilfe von Druckluft aus der Form direkt in die Lippenstifthülse eingeblasen. Die Rundtischmaschine produziert bis zu 6000 Lippenstifte in der Stunde.

Viele Kosmetikunternehmen zählen zu den Kunden von Weckerle, zum Beispiel L'Oréal, Christian Dior, Avon, Maybelline, Max Factor, YSL und Chanel. "Momentan boomt der lateinamerikanische Markt. Rund 70 Prozent des derzeitigen Auftragseingangs stammen aus Lateinamerika, hauptsächlich aus Brasilien", berichtet Weber.

Der Umsatz mit Weckerle Machines stieg in den vergangenen zehn Jahren um rund 40 Prozent. 2012 betrug er fast 21 Millionen Euro, 5 Prozent mehr als 2011. Im vergangenen Jahr ist er nach Angaben des Unternehmens wieder um rund 5 Prozent gestiegen. Den höchsten Gewinn werfen die Lippenstiftabfüllmaschinen ab. Ihr Anteil am Umsatz beträgt 70 Prozent.

Informationen zum Beitrag

Titel
Damit Frauen etwas über die Lippen bringen
Autor
Luisa Marschall
Schule
Eichsfeld-Gymnasium , Duderstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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