Sie können mit Maschinen die Straße pflastern

Maschine

Im Winter leiden Deutschlands Straßen. Wenn der Schnee getaut ist, gleichen sie einer Buckelpiste – Schlaglöcher, so weit das Auge reicht. Große Flächen müssen dann mit geeigneten Maschinen erneuert werden. Diese werden von der Wirtgen GmbH hergestellt, dem Weltmarktführer in der Produktion von Straßenbaumaschinen.

Unternehmensgründer Reinhard Wirtgen hatte eine Vision: mobile Straßenbaugeräte dem Kunden aus einer Hand anzubieten. Dazu gründete er 1961 ein Fuhrunternehmen für den Transport von Baumaterialien. Wirtgen begann 1965 mit einem selbstgebauten Betonzertrümmerer als Subunternehmer. Heute sind seine Söhne Stefan und Jürgen die Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Wirtgen Group hat neben der GmbH drei weitere Tochtergesellschaften: die Joseph Vögele AG, die Hamm AG und die Kleemann GmbH. Sie bedient zwei Geschäftsfelder. Kleemann ist auf den Tagebau spezialisiert, die anderen auf Straßenbau. „Die vier Unternehmen sind deutsche Maschinenbauunternehmen mit einer langen Tradition im Markt“, sagt Stefan Wirtgen. „Mit den Wirtgen-Fräsen fräst der Kunde die beschädigte Straße ab, mit dem Vögele- Fertiger wird im Anschluss wieder neuer Asphalt eingebaut, und schließlich wird der neu eingebaute Asphalt mit einer Hamm-Walze verdichtet. Das hat für den Kunden viele wirtschaftliche und technische Vorteile, wenn er alle dazu notwendigen Technologien aus einer bewährten Hand beziehen kann.“

Neben dem Stammwerk Windhagen bei Bonn, in dem 1200 Mitarbeiter beschäftigt sind, wurden zusätzliche Produktionsstätten im Ausland aufgebaut, darunter Brasilien, China und Indien. Grund dafür ist, „die dortigen Märkte mit Produkten zu bedienen, die den speziellen Marktanforderungen entsprechen“, sagt Jürgen Wirtgen. Also mit solchen, die auf den europäischen Märkten nicht gefragt sind. „Außerdem sind dies die Wachstumsmärkte der Zukunft für unsere Unternehmensgruppe“, fügt Stefan Wirtgen hinzu. Die Exportquote der in Deutschland produzierten Maschinen liegt bei mehr als 90 Prozent.

Die Wirtschaftskrise ist auch an der Wirtgen Group nicht unbemerkt vorübergegangen. Im Jahr 2009 betrug der Umsatz 1,18 Milliarden Euro. Das bedeutet einen Umsatzrückgang zu 2008 von 21 Prozent – der erste Rückgang in 50 Jahren Unternehmensgeschichte. „Wir haben in der gesamten Unternehmensgruppe einen Auftragseinbruch erlebt“, sagt Jürgen Wirtgen. 2010 hat sich der Markt erholt, und es wurde wieder ein Umsatz von 1,57 Milliarden Euro erreicht. Zu diesem neuen Aufschwung trugen vor allem Regionen wie Westeuropa oder Nord- und Südamerika bei und „natürlich die Wachstumsregion Asien mit ihren aufstrebenden Wirtschaftsnationen China und Indien“, fügt Jürgen Wirtgen hinzu. Der Umsatz der Wirtgen GmbH, der im Jahr 2009 bei 347 Millionen Euro lag, ist 2010 auf 475 Millionen Euro gestiegen. Derzeit sind beide Werke sowohl für Serien- als auch für Sondermaschinen voll ausgelastet. Von den Stückzahlen her werden Serienmaschinen wie Kaltfräsen am meisten produziert. Die gestiegene Verkehrsbelastung in Industrieländern führt dazu, dass Straßennetze immer wieder saniert werden müssen. Für solche Arbeiten sind die Kaltfräsen am besten geeignet. Sie tragen Asphaltschichten ab, und das Fräsgut, das dabei entsteht, kann wiederverwendet werden. Kaltfräsen haben deshalb eine Schlüsselfunktion beim wirtschaftlichen Recycling von Straßenbaustoffen. Vorgänger der Kaltfräse ist die Warmfräse, die nach dem gleichen Prinzip arbeitet, jedoch nur eine stark erwärmte Oberfläche bearbeiten kann. Zudem haben Warmfräsen einen hohen Energieverbrauch, arbeiten langsamer, und die Rauchentwicklung ist stark. Allerdings ist der Markt für Kaltfräsen hart umkämpft. Deshalb müssen dem Kunden immer leistungsstärkere und dennoch wirtschaftlich arbeitende Maschinen angeboten werden. Ein Beispiel dafür ist das Dual Engine Concept, durch das der Kraftstoffverbrauch der Kaltfräse W210 um ein Viertel gesenkt wird. Der Preis für die kleineren Maschinentypen der Kaltfräsen liegt im oberen fünfstelligen Bereich, der Preis für den größten Maschinentyp liegt weit im oberen sechsstelligen Bereich.

Wirtgen stellt auch Sondermodelle wie Surface Miner her. Das ist ein kontinuierlich arbeitendes Tagebaugerät für die Gewinnung von Mineralien, das ursprünglich im Straßenbau für das Abfräsen von Fahrbahnbelägen eingesetzt wurde.

Die Mitarbeiterzufriedenheit liegt der Unternehmensleitung am Herzen. „Als unabhängiges und inhabergeführtes Familienunternehmen pflegen wir einen guten Kontakt zu unseren Mitarbeitern“, sagt Jürgen Wirtgen. Die Mitarbeiterzufriedenheit spiegelt sich im Gütesiegel des unabhängigen Forschungs- und Beratungsunternehmens Great Place to Work wider. Stefan Wirtgen ist stolz darauf. „In einem Teilnehmerfeld von über 250 Unternehmen ist die Wirtgen GmbH als einer der besten 100 Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet worden.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Sie können mit Maschinen die Straße pflastern
Autor
Lukas Haidt
Schule
Wentzinger-Gymnasium , Freiburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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