Wo der Fahrer einsitzt

Mit den Benzinpreisen steigen auch die Kosten für den Fahrzeugunterhalt. Vor allem im Nahverkehr, der den größten Teil der täglichen Autofahrten ausmacht, lohnt es sich deshalb, auf Alternativen wie Elektrofahrzeuge umzusteigen. Die Smiles AG, die in dieser jungen Branche nach eigenen Angaben marktführend ist, produziert mit dem Elektroauto CityEL das angeblich sparsamste geschlossene Serienfahrzeug der Welt. "Der CityEL garantiert durch die durchschnittlichen Fahrtkosten von 1 Euro je 100 Kilometer nicht nur ein kostengünstiges Fahren, sondern ist zudem auch eine umweltfreundliche Alternative", erklärt Karl Nestmeier, Vorstand der Smiles AG.

Das unterfränkische Unternehmen mit Firmensitz in Aub ging 1995 aus einer Fusion der dänischen CityCom Randers A/S und der Nestmeier Solartechnik GmbH als CityCom Elektromobile GmbH hervor. Nach dem Börsengang 1999 folgte 2009 die Umbenennung des Unternehmens in die Smiles AG. Heute beschäftigt das Unternehmen insgesamt 22 Mitarbeiter.

"Anders als die großen Automobilkonzerne versuchen wir, kleine und leichte Autos zu entwickeln, da zurzeit nur in diesem Bereich die Elektromobilität effektiv, kostengünstig und umweltfreundlich ist. Natürlich ist dies mit einem Komfortverlust verbunden, aber nur so kann eine Reduktion der Gesamtkosten um 30 Prozent im Vergleich zu einem sparsamen Kleinwagen erreicht werden", erläutert Nestmeier. 75 Prozent der CityEL-Fahrer sind Pendler, die den einsitzigen CityEL mit einer Reichweite von bis zu 120 Kilometer als Zweit- oder Drittwagen nutzen. Aber auch Stromversorger und Unternehmen, die den CityEL zu Werbezwecken verwenden, sowie ältere Menschen, die wenig fahren, zählen zum Kundenkreis.

Der CityEL, an dessen Herstellung insgesamt sieben Mitarbeiter des Unternehmens beteiligt sind, fällt im Straßenverkehr vor allem durch seine markante, niedrig gehaltene Karosserie und sein fehlendes viertes Rad auf. Beim CityEL werden standardmäßig Lithiumbatterien verwendet, die eine Gesamtlaufleistung von 70 000 Kilometern haben und eine Reichweite von 60 bis 120 Kilometer mit einer Batterieladung, wobei die Reichweite, wie auch die Geschwindigkeit, von der Nennspannung der Lithiumbatterie abhängt. So liegt die Höchstgeschwindigkeit je nach Variante zwischen 45 und 63 Stundenkilometern. Das meistverkaufte Modell erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 57 Kilometern bei einer Nennspannung von 48 Volt und kostet knapp 12 000 Euro. Für das Aufladen der Batterie ist lediglich eine Steckdose notwendig. Das Aufladen des CityEL auf 70 Prozent der Kapazität dauert zwischen 3 und 3,5 Stunden.

"Der CityEL ist mit bisher 6000 verkauften Fahrzeugen eines der meistverkauften Elektrofahrzeuge. Er wurde 2009 in einer Stückzahl von 300 bis 400 Fahrzeugen produziert. In den nächsten Jahren wollen wir die Produktion ausweiten, so dass wir für dieses Jahr eine Erhöhung der Stückzahl auf 600 bis 800 und nächstes Jahr auf 800 bis 1000 Fahrzeuge planen", erklärt Nestmeier.

Neben der Produktion des CityEL entstand 2009 mit der "Smiles World" ein neuer Unternehmenszweig, der den Kunden ein Gesamtkonzept Elektromobilität anbietet. Außer Ökostrom, Ladetechnik sowie Finanzierung und Leasing ist die Smiles AG auch deutscher Generalimporteur des weltweit größten Elektrofahrzeugherstellers Reva und Importeur des italienischen Elektroautos Tazzari Zero. Diese Produkte haben eine höhere Reichweite als der CityEL und bieten mehr Raum und Sitzmöglichkeiten für bis zu vier Personen.

Die Smiles AG produziert ausschließlich am unterfränkischen Produktionsstandort in Aub und vertreibt ihre Produkte in Deutschland über 18 Händler. Das Unternehmen hat in Deutschland nach eigenen Angaben einen Marktanteil von ungefähr 50 Prozent. Von der Abwrackprämie, die eigentlich als Umweltprämie gedacht war, hat die Smiles AG nicht profitiert, da diese nur auf die Fahrzeugklasse M1 und so auf schwerere Autos beschränkt war. "Man kann sagen, dass unsere Autos, die unter 1000 Kilogramm wiegen, einfach zu umweltfreundlich und nachhaltig für die Abwrackprämie waren", erläutert Nestmeier. Auch andere staatliche Förderungen gibt es laut Nestmeier für seine Produkte noch nicht. Jedoch wird sich dies wohl in den kommenden Jahren ändern, da die Bundesregierung das Ziel verfolgt, bis 2020 die Zahl der Elektrofahrzeuge in Deutschland auf eine Million zu erhöhen.

Smiles erwartet deutliche Umsatzsteigerungen. "Während wir 2009 noch einen Umsatz von ungefähr 2 Millionen Euro verbucht haben, gehen wir für dieses Jahr von 6 bis 8 Millionen Euro aus", sagt Nestmeier. Für 2011 ist ein Jahresumsatz von 14 bis 16 Millionen Euro geplant. "Jedoch machen wir noch keine Gewinne. Im operativen Geschäft erzielen wir zwar eine schwarze Null, allerdings hatten wir hohe Entwicklungskosten und mussten Vorleistungen tätigen, welche die Verluste begründen. Wir wollen die heutigen Verluste durch die langfristig zu erwartenden Gewinne ausgleichen", erklärt Nestmeier. Noch befindet sich die Branche in der Aufbauphase. Zurzeit lohnen sich für den Autofahrer vor allem Produkte mit geringem Gewicht. Jedoch wird sich das langfristig durch steigende Rohölpreise ändern.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo der Fahrer einsitzt
Autor
Vera Tauber, Friedrich-Koenig-Gymnasium, Würzburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 10.06.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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