Biodiversität am Frankfurter Flughafen

"Bagger müssen Hamstern weichen", "Straßenbau wegen Molchen gestoppt", immer wieder tauchen derartige Schlagzeilen in den Nachrichten auf. Dabei geht es um große Bauprojekte, die wegen kleiner Tiere nicht durchgeführt werden dürfen. Doch warum haben diese Tiere einen so großen Einfluss?

Es sind bedrohte Tierarten, die im betroffenen Gebiet leben. Durch das Bauprojekt würde ihr Lebensraum stark eingeschränkt oder komplett zerstört werden. Um die Tiere zu schützen ,müssen sie entweder kostspielig umgesiedelt werden oder es darf nicht gebaut werden. Durch diese Regelungen versucht man, die Biodiversität zu erhalten. Doch was ist mit bereits bestehenden Großbauten wie Bahnhöfen oder Flughäfen? Wie sieht es dort mit der Biodiversität aus?

Zunächst muss erstmal geklärt werden, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Experten verstehen unter Biodiversität die Vielfalt des Lebens auf der Erde und unterscheiden in genetischer Diversität, Artenvielfalt, Vielfalt an Lebensräumen und der Vielfalt an biologischen Interaktionen. Biodiversität ist sehr wichtig für die Natur und ein Ergebnis jahrmillionenlanger Evolution. Die Artenvielfalt ist ein kostbarer Schatz unseres Planeten, den wir erhalten müssen. Schaut man jetzt aber die riesigen Gelände von Flughäfen, Bahnhöfen oder großer Firmenstandorte an, so fragt man sich schnell, wo da Platz für Tiere sein soll.

22 km² groß ist das Gelände des Frankfurter Flughafens, für seine wirtschaftliche Bedeutung im Vergleich zu anderen Flughäfen noch ziemlich kompakt. Pro Stunde landen und starten hier bis zu 120 Flugzeuge, die etwa 56 Millionen Passagiere im Jahr transportieren. Mit dem neuen Terminal 3 können weitere 6 Millionen Fluggäste durch die Welt reisen, bereits heute handelt der Flughafen Frankfurt 70 % aller deutschen Interkontinentalflüge ab. Diese gewaltigen Zahlen von Menschen und Metallfliegern fordern natürlich ihren Tribut bei den Tieren.

Für den Bau der 4. Startbahn mussten 1137 Frösche und Kröten, 805 Eidechsen, 17 Ameisenvölker und viele andere Tiere mehr umgesiedelt werden. Für Fledermäuse und Vögel wurden in nahegelegenen Wäldern Nistkästen angebracht, da 210 Hektar Wald auf dem Flughafengelände gerodet werden mussten. Würden die Vögel in die Nähe der Flugzeuge im An- und Abflug geraten, so würden sie von den Triebwerken eingesaugt werden, dort sterben und außerdem einen immensen Schaden am Flugzeug anrichten.

Diese Zusammenstöße nennt man Vogelschlag, 90 % davon passieren in Flughafennähe. Jedes Jahr entstehen dadurch über eine Million Dollar Schäden, die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer solchen Kollision eines Flugzeuges mit einem über 5 kg schweren Vogel oder einem Vogelschwarm ein Triebwerk komplett ausfällt, beträgt satte 80 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Triebwerke ausfallen und das Flugzeug somit flugunfähig ist, beträgt jedoch nur etwa 20 %. Ein Beispiel für diese Katastrophe ist die Wasserlandung am 15.1.2009. Ein Flugzeug von US Airways war in New York vom Stadtflughafen LaGuardia gestartet und kurz darauf mit einem Vogelschwarm kollidiert. Beide Triebwerke fielen aus, die Maschine sank. Der Pilot konnte auf dem Hudson River notlanden, keine der 155 Personen an Bord starb. Der Pilot wurde weltweit als Held gefeiert, da eine Wasserlandung ein sehr schwieriges Manöver auch für erfahrene Piloten ist.

Vogelschlag ist eigentlich recht selten, pro 10000 Flügen passiert normalerweise ein Zusammenstoß von Vogel und Flugzeug. In Frankfurt ist die Rate mit 3 – 4 Kollisionen pro 10000 Flügen etwas größer, was auf eine höhere Vogeldichte hinweist.

Grundsätzlich ist immer der Flughafenbetreiber in der Pflicht, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls möglichst gering zu halten. Brut-, Fraß- und Rastmöglichkeiten werden wo es geht vermieden und stattdessen Magerrasen gepflanzt, ein nährstoffarmer Boden, der selten gemäht wird und auf Krähenvögel und auch Raubvögel nicht anziehend wirkt. In Frankfurt wird zusätzlich der nahegelegene Mondwaldsee, der bei Vögeln als Lebensraum recht beliebt ist, durch einen 300 m langen und 10 m hohen Vorhang vom Flughafengelände abgegrenzt.

Wenn also Vögel ausgesperrt werden, weißt das natürlich auf eine geringe Artenvielfalt hin. Auch größere Säugetiere wie Hasen und Kaninchen, Rehe und Füchse haben auf einem Flughafen nichts verloren.
Andere Lebewesen sind auf dem Geländer zwischen den Rollfeldern jedoch stark vertreten. Es gibt auf dem Frankfurter Flughafen über 300 verschiedene Pflanzenarten und am Randbereich der Startbahn 18 gibt es ökologisch sehr hochwertige Flächen, die die größte zusammenhängende Heide-, Trocken- und Magerrasenfläche in der gesamten Region Frankfurt/Rhein-Main bilden. Hier gibt es viele Käfer- und Reptilienarten, auch einige seltene Arten sind darunter.
Die Artenvielfalt wird schon seit einiger Zeit von der Fraport AG überwacht und inzwischen läuft auch ein Projekt zur Überwachung von Schadstoffen, die sogenannten Flughafen-Bienen. Diese bestäuben Pflanzen auf dem Flughafengelände und anhand des Honigs kann man Schadstoffe nachweisen. Laut dieser Ergebnisse sind die Wiesen rund um die Rollfelder nur gering belastet, was bei einem derart stark ausgeprägten Flugbetrieb wie in Frankfurt eine überraschende Leistung ist.

Doch nicht nur am Flughafengelände kümmert sich die Fraport AG um den Erhalt der Natur. Für die gerodeten 210 Hektar Wald muss laut Gesetz mengenmäßig gleichwertiger Ersatz geschaffen werden. Darum forstet die Fraport AG im gesamten Rhein - Main – Gebiet 228 Hektar Wald auf und sorgt dazu noch für die Aufforstung von 2000 Hektar bereits bestehender Wälder. Auch einige Biotop- und Streuobstwiesenprojekte werden von der Fraport AG unterstützt.

Der Frankfurter Flughafen ist also mit seinem Betreiber, der Fraport AG, ein echtes Paradebeispiel, was die Erhaltung der Biodiversität am Flughafen und in der umgebenden Region betrifft. Ohne diese Maßnahmen würde die Artenvielfalt am Flughafen jedoch sehr zu leiden haben unter den großen Metallvögeln, die uns Menschen in unseren geliebten Urlaub bringen. Ein weiteres schwieriges Thema in Bezug auf den Umweltschutz und Flugzeuge, das hier gar nicht behandelt wurde, sind die großen CO2-Emissionen, die bei den neueren Fliegern weiter zunehmen statt reduziert zu werden. Auch der Lärmschutz im Flugverkehr muss noch deutlich verbessert werden, um das Fliegen umwelttechnisch auf eine ähnliche Höhe wie das Verreisen mit der Bahn zu bringen. Bis dahin genießen wir lieber die schönen Regionen vor unserer Haustür und leisten so unseren Beitrag zur Rettung der Welt.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Biodiversität am Frankfurter Flughafen
Autor
Carmen Derst
Schule
Rosenstein-Gymnasium Heubach, Heubach
Klasse
10 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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