König Hussein für Rufname DJ4LK

Zuerst ist ein Rauschen zu hören, dann kurze und lange Töne - Morsezeichen. Ein Rumäne ist am anderen Ende der Leitung und erzählt, dass seine Frau eine Erkältung hat. Die Funknamen werden ausgetauscht, Roland Hagmann wünscht gute Besserung, und das Gespräch endet. Hagmann lebt in Hohenberg in Ostwürttemberg und legte 1958 seine Funkprüfung bei der Post ab. Seitdem ist er begeisterter Funkamateur. "Angefangen hat alles 1955, als ich in Ellwangen im Internat war und ein Radio gebaut habe. Später habe ich mich so sehr auf die Funkprüfung vorbereitet, dass ich fast durchs Abi gefallen wäre", sagt der 73 Jahre alte, pensionierte Lehrer. "Es gibt auf der ganzen Welt Leute, die ich kenne, von der Arktis bis nach Namibia." In Zeiten von Facebook, Twitter und Co sind immer weniger Menschen als Funkamateure unterwegs. "Ich bleibe meinem Hobby treu, da man hier persönlich mit Menschen in Kontakt treten kann und sich nicht hinter Pseudonymen versteckt."

Im Garten stehen drei hohe Antennenmasten. Ein Funker aus Manihiki nimmt Kontakt zu Hagmann auf. Für ihn gibt es jetzt nur noch den Funker am anderen Ende der Welt. Manihiki liegt in der Südsee und kann von Deutschland aus nur 30 Minuten am Tag mit Funk erreicht werden. Jeder Funkamateur besitzt neben seinem Funknamen eine eigene Funkkarte, die einer Postkarte gleicht. Diese wird nach jedem Funkgespräch per Post an den Gesprächspartner geschickt. "Ich habe schon Karten aus allen Ländern der Welt gesammelt. Zur Zeit sammel ich möglichst viele Inselkarten. Mehr als 600 habe ich schon." In seinem Büro sind die Wände mit Welt- und Funkkarten bedeckt. Durch das Rauschen der Bänder kann man einem Gespräch zwischen einem Italiener und einem Japaner lauschen. "Beim Funken herrscht offener Verkehr, das heißt, dass jeder die geführten Gespräche mithören kann." Hagmann hat das Rufzeichen DJ4LK und ist mit Sender, Empfänger, Antennen, Morsegerät und Computer bestens ausgestattet.

Sein berühmtester Gesprächspartner war der jordanische König Hussein bin Talal. "Ich hatte einfach nur Glück, dass König Hussein meine Funkleitung traf und wir so ins Gespräch kamen", erzählt er. "Ich fragte ihn, wo er herkomme, da ich mir nicht sicher war, ob er wirklich der König ist. Er beschrieb seine Situation und seinen Palast. Nachdem wir uns über technische Inhalte des Funkens ausgetauscht hatten, war das Gespräch auch schon wieder beendet." Einige Wochen später erhielt er einen Umschlag mit Siegel und goldenem Aufdruck. "Darin war die Funkkarte von König Hussein, die von ihm eigenhändig unterschrieben war."

Informationen zum Beitrag

Titel
König Hussein für Rufname DJ4LK
Autor
Julia Geiger
Schule
Rosenstein-Gymnasium , Heubach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2013, Nr. 77, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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