Hüpfend im Sambafieber

Die Percussiongruppe Go Brazil unterhält Bayern

In der Fußgängerzone hat sich eine Menschentraube gebildet. Die Percussiongruppe Go Brazil verleitet die Stadtbummler in der Münchner Innenstadt zum Stehenbleiben. Der mitreißende Sambarhythmus lässt Kinder kräftig mithüpfen, Erwachsene wippen lächelnd mit dem Kopf. Die Truppe beginnt sich tanzend im Kreis zu drehen und zu springen, während sie trommelt. Das Publikum wird aufgefordert, mitzuklatschen, was die meisten begeistert machen. Zwei Sechsjährige gehen mit einem Hut herum und sammeln Spenden für die Truppe. Das sei eher die Ausnahme. "Meistens bezahlen uns die Interessenten für Auftritte auf ihren Feiern. Für das heutige 100-jährige Polizeijubiläum spielen wir kostenlos", sagt die 48-jährige Beate Heiss, eine große, schlanke Frau mit grauem Bob. Vor der Truppe steht ein Mann, der alle mit Trillerpfeife und Handzeichen anführt. "Je nachdem, welche Handzeichen Ulrich gibt, wissen wir, was zu tun ist."

Ulrich Bammer, ein Mann mittleren Alters, hat die Gruppe vor elfeinhalb Jahren gegründet. Er ist der einzige hauptberufliche Go-Braziler und war ursprünglich Musiklehrer. "Der Rest unserer 25-köpfigen Truppe besteht aus Amateuren", lacht Beate Heiss, die Verwaltungsangestellte ist und von Anfang an dabei war. "Damals ist eine Betreuerin im Kindergarten meiner Kinder auf die Idee gekommen, einen Workshop mit Ulrich zu machen. Das Projekt hat uns so viel Spaß gemacht, dass sich die Gruppe Go Brazil gegründet hat. Wir haben viele neue Mitglieder gewonnen, die das Sambafieber gepackt hat." Von Surdo, Repique, Snare, Timba, Tambourin bis Agogo seien viele Schlaginstrumente vertreten. Heiss spielt vier Trommeln.

Während der Proben, die jeden Mittwoch von 18 bis 22 Uhr stattfinden, werden neue Stücke erlernt, die der Organisator Bammer fast alle selbst geschrieben hat. "Dafür hat Ulrich ein eigenes Notensystem entwickelt, das auch Leute verstehen, die eigentlich keine Noten lesen können. Außerdem haben wir auch immer noch eine passende Schrittfolge zum Rhythmus." Bei jedem Lied gibt ein Pfeifer mit Trillerpfeife und Handzeichen vor, was gespielt wird. "Wenn der Pfeifer beispielsweise vier Finger in die Luft streckt, bedeutet dies, dass alle Spieler vier Takte Pause haben."

Vor allem im Sommer ist Go Brazil gefragt. "Von Juni bis August haben wir fast jede Woche einen Auftritt." Go Brazil spielt auf Festen, bei Stadtläufen oder Hochzeiten. "Die Buchungen ergeben sich eigentlich immer per Zufall." Obwohl die Truppe bei ihren Auftritten bis zu 800 Euro verdient, machen die Mitglieder keinen Gewinn, da das Geld meist für die Reisen zum Auftrittsort, für neue Gruppenshirts oder zusätzliche Tänzer ausgegeben wird, die Go Brazil manchmal engagiert, wenn dies ein Kunde wünscht. "Aber darum geht es ja auch gar nicht. Das Hobby macht mir einfach Spaß", lächelt Beate Heiss.

Manchmal fährt die Truppe für Auftritte ins Ausland, nach Luxemburg oder Kroatien. "Wir hatten sogar einmal eine Anfrage aus Schanghai, mussten aber leider absagen, wegen zu hoher Reisekosten." Im Winter muss die Percussiontruppe einen Gang zurückschalten, da die Auftritte meistens in geschlossenen Räumen stattfinden. "Aber damit kommen wir auch zurecht, indem einfach weniger unserer Mitglieder kommen oder wir allgemein etwas leiser spielen."

Informationen zum Beitrag

Titel
Hüpfend im Sambafieber
Autor
Laura Stopic
Schule
Elsa-Brändström-Gymnasium , München
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2014, Nr. 12, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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