Geräusche richtig einschätzen

Image

Jeder kann lernen, mit der Angst umzugehen, um die Lebensqualität zu steigern", sagt Frank Eisenberg. Der Psychologe und Privatpilot aus dem nordhessischen Volkmarsen hat sich seit sechs Jahren auf Hilfe zur Bewältigung der Flugangst spezialisiert. Aus der Faszination für die Luftfahrt und Psychologie entwickelte er Flugangstseminare, mit denen der 32-Jährige an großen Flughäfen wie Frankfurt und Düsseldorf Flugphobiker therapiert. "Viele meiner Seminarteilnehmer haben Angst, ihr Leben in die Hände einer fremden Person zu geben. Natürlich wird sehr häufig die Furcht vor einem möglichen Absturz genannt. Aber auch Menschen mit Angst vor geschlossenen Räumen haben Probleme, ein Flugzeug zu betreten", erzählt der Seminarleiter. Die "Angst vor der Höhe" sei kein Symptom der Flugangst, da ein fester Boden unter den Füßen vorhanden sei. In den Seminaren gegen Flugangst richtet Eisenberg seinen Fokus auf die Bereiche Technik, Psychologie und Praxis. "Den meisten Teilnehmern ist gar nicht bewusst, warum ein Flugzeug fliegen kann, deshalb verschafft ein Einblick in die Technik und das Kennenlernen der Sicherheitsstandards den ersten Erfolg in Richtung Flugangstbewältigung." Aussagen wie: "Auch wenn alle Triebwerke ausfielen, könnte das Flugzeug noch 300 Kilometer weit fliegen, wobei im 200-Kilometer-Intervall mindestens ein Flughafen gegeben ist", lassen Skeptiker aufatmen. Durch Erklären der Start-und-Lande-Abläufe erlernen die Teilnehmer die beim Flug aufkommenden Geräusche und Bewegungen richtig einzuschätzen. Besonderes Augenmerk wird auf die Psychologie gerichtet. Eisenberg beschreibt, dass der Abbau psychischer Blockaden den Teilnehmern die letzte Überwindung für den Flug ermöglichen soll. Seine Aussage: "Nur wer weiß, was Angst ist, kann sie auch kontrollieren", scheint zu fruchten. Hat der Betroffene erst mal begriffen, dass die Angst kein unüberwindbares Hindernis ist, steht dem ersten Testflug nichts mehr im Weg. Auch Entspannungs- und Atemübungen helfen. Ein eintägiger Flug etwa von Bremen nach London ist der Abschluss des Seminars. Jetzt sollen die fünf Teilnehmer die Übungen anwenden. "Die größte Überwindung für die Teilnehmer ist das Einsteigen ins Flugzeug. Ist diese Schwelle erst mal überwunden, ist der Weg zum angstfreien Fliegen nicht mehr weit", sagt Eisenberg. Nach den Erlebnissen des Hinfluges und dem Aufenthalt in London fällt den meisten der Rückflug nicht mehr schwer. 80 bis 90 Prozent der Teilnehmer überwinden nach Eisenbergs Angaben die Flugangst. Das Wichtigste sei die Nachhaltigkeit. Nach der Beendigung des Seminars sollte der nächste Aufenthalt über den Wolken schon in Aussicht sein. "Bis zu dem Seminar hatte ich mich nie in ein Flugzeug getraut und hätte es mir auch niemals träumen lassen, irgendwann einmal in einem Flieger zu sitzen und in den Urlaub zu fliegen", sagt die 29-jährige Meike aus Bremerhaven selbstbewusst. Sie hat das Seminar besucht und fliegt seitdem jährlich ohne Beschwerden in den Urlaub. Die junge Frau verdeutlicht, dass die Ängste dem Fliegen "wie eine Mauer entgegenstehen". In ihren Augen hat sich die Investition von 575 Euro in das Seminar gelohnt. Was war bisher sein extremstes Erlebnis bei den Seminaren? Eisenberg lächelt: "Ein Ehemann zwang seine Frau zur Teilnahme an dem Flugseminar, daraus entwickelte sich dann fast ein Ehedrama, welches sich aber zum Glück wieder zum Guten wendete. Sie hat es leider nicht geschafft, die Angst zu überwinden."

Informationen zum Beitrag

Titel
Geräusche richtig einschätzen
Autor
Markus Werner
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2010, Nr. 86 / Seite N6
Projekt
Jugend schreibt

Beruf und Chance

  • 54366088

    Jedes dritte Unternehmen findet nicht genügend Auszubildende

    › Zum Artikel

  • 54359734

    Zahl ausländischer Wissenschaftler und Studierender gestiegen

    › Zum Artikel

  • 54360031

    Mütter kehren schneller in familienfreundliche Betriebe zurück

    › Zum Artikel

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180