Papier schöpfen aus Elefantendung

Schwarze Brille, graue Strickjacke und eine rote Swatch: Isabelle Steiner arbeitet im Zoo Zürich als Zoopädagogin, nennt sich selber jedoch lieber Biologin, da "es so viele Pädagogen gibt". Führungen planen, Zooführer ausbilden und Projekte machen, das sind die Aufgabenbereiche. Im Zoo sind sie unter dem Titel "Information und Edukation" zusammengefasst. "Edukation, das tönt nach erhobenem Finger", doch die Angebote sollen Jung und Alt zum Natur- und Tierschutz animieren. So werden Erkundungstouren, Projekte und Ausstellungen angeboten, die Spaß machen und für wichtige Themen sensibilisieren. Vor allem der Schutz der Tiere und der Natur soll den Besuchern nahegelegt werden.

Die 46-jährige Mutter von zwei Teenager-Töchtern wählt und bildet die Führer selbst aus. In den Weiterbildungen geht es darum, den Umgang mit den Besuchern zu lernen. Dass es bei Schülern zum Beispiel wichtig ist, an eine "Pipipause" zu denken. Oder wie man Krankenwagen und Feuerwehr einweist. Was Isabelle Steiner ihren Mitarbeitern nicht beibringt, ist das Wissen über die Tiere. Eine Anforderung, die an einen angehenden Zooführer gestellt wird, ist nämlich ein naturwissenschaftliches Studium.

Überdies plant die braunhaarige Biologin Workshops, bei denen nicht nur Elefanten, Esel oder Flughunde im Zentrum stehen. "Vor allem der Schokoladenworkshop zieht." Schokolade selber herzustellen und dabei etwas über Fair-Trade-Label und Pflanzen zu lernen sei eine interessante Erfahrung.

Im vergangenen Jahr wurde ein Elefantenpark eröffnet und die Masoalahalle mit einer Fläche von 11 000 Quadratmetern. Im nachgebauten Masoalaregenwald herrschen Temperaturen von 20 bis 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent. Es gibt Vari, Kakaopflanzen und Eidechsen, Schildkröten sowie fleischfressende Pflanzen: Die Artenvielfalt ist so groß, dass man kaum alle Tiere und Pflanzen an einem Tag sehen kann.

Ein besonderes Projekt ist das Herstellen von Papier aus Elefantendung. Das Papiergießen hat in Thailand eine lange Tradition. Der Zoo hat nach thailändischem Vorbild eine Papierfabrik eingerichtet. Papier wird normalerweise aus Pflanzenfasern, zum Beispiel aus der Borke des Maulbeerbaums, hergestellt. Da die Elefanten schlechte Nahrungsverwerter sind, "kommen die Fasern fast so raus, wie sie reingegangen sind", so dass man auch die verdauten Fasern zu Papier verarbeiten kann. Hat Isabelle Steiner den Elefantenkot mit einer Schubkarre aus dem weitläufigen Gehege geholt, wäscht sie ihn, kocht und mahlt ihn anschließend. Beim Kochen werden die Fasern weicher und die Bakterien sterben. Das erste Papier, das Steiner herstellte, hielt nicht zusammen und zerbröselte.

Ihr Bruder, der in einer Papierfabrik gearbeitet hatte, erklärte ihr, dass sie eine Mahlmaschine brauche. Diese Holländer genannten Geräte sind heute nicht mehr im Gebrauch und schwierig zu finden. Isabelle Steiner beauftragte den Mitarbeiter aus den Niederlanden, der die Papierfabrik nur mit Hilfe der Anleitung in einem Video gebaut hatte, mit der Suche. "Er fand dann in Holland einen Holländer, der Holländer herstellt." Die Maschine mahlt den Pflanzenbrei. Hierbei muss Isabelle Steiner auf die richtige Wassermenge und den optimalen Mahldruck achten. Dann gießt sie den Pflanzenbrei in einen Rahmen, der im Wasser schwimmt, und dann wird das Papier für zwei Tage zum Trocknen in die Sonne gestellt. Für einen Workshop ist es viel einfacher, das Papier zu schöpfen. Man nimmt einen mit einem feinen Netz bespannten Rahmen, schöpft den Papierbrei, dann presst man mit einer Buchpresse das Wasser raus, und das Papier kann gleich mitgenommen werden. Leute zu begeistern, die in ihrem Alltag nichts mit Naturschutz zu tun haben, das ist für die Zoopädagogin das Schöne an ihrem Job.

Im Frühling reiste sie für einige Wochen nach Kenia, um ein Tierschutzprojekt zu besuchen. Das Lewa-Wildlife-Conservancy-Projekt, dessen Flaggtier das Nashorn ist, schützt die Fauna in ihrem Schutzgebiet vor allem vor Wilderern. Fünf Unterkünfte gehören zum 300 Kilometer von Nairobi entfernten Gelände. Mit dem Umsatz dieser Lodges wird das Projekt zusätzlich unterstützt, weshalb Isabelle Steiner gerne bereit war, ein wenig mehr zu bezahlen. Beeindruckt haben sie die vielfältigen Mittel, die eingesetzt werden, um die Tiere zu schützen. Dazu gehören eine Privatarmee, ein Zaun und ein eingezäunter Korridor, in dem die Tiere geschützt zum nächsten Nationalpark wandern können. "Wird ein Tier zwei Tage nicht gesichtet, wird ein Suchtrupp losgeschickt, um es ausfindig zu machen. Die Gemeinden werden unterstützt, so dass die Bewohner sich nicht gezwungen sehen, auf Kosten der Tiere Geld zu verdienen." Der Zoo unterstützt Projekte zum Schutz der Tiere. "Dort im Schutzgebiet ging in den letzten Jahren kein Nashorn und kein Elefant verloren", sagt Isabelle Steiner. Sie findet es toll, "wenn man gegenseitig vom Wissen der anderen profitieren kann".

Informationen zum Beitrag

Titel
Papier schöpfen aus Elefantendung
Autor
Dominique Altmann
Schule
Kantonsschule Zürcher Oberland , Wetzikon
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2016, Nr. 44, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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