Ins Runde, nicht ins Eckige

Ein langgezogener, grüner Tisch, 22 Kugeln, zwei Spieler, das gehört zum Snooker, der eine Variante des Präzisionssports Billard ist und mit speziellen Queues gespielt wird. Der Tisch ist anders als ein Billardtisch aufgebaut: Er ist größer, die Taschen sind rund und nicht eckig geschnitten. Dadurch wird das Einlochen der Kugeln schwerer. Das Ziel besteht darin, 15 rote und sechs andersfarbige Kugeln mit einer weißen Kugel nach bestimmten Regeln in die sechs kleinen, am Tisch verteilten Taschen zu versenken. Snooker hat in Deutschland bisher nur wenig Aufmerksamkeit, doch in England ist es Volkssport. Längst steht in den meisten Kneipen ein Snookertisch. Mit seinen achtzehn Jahren spielt der deutsche Marc Schöniger die englische Billardvariante mittlerweile neun Jahre und besitzt großes Potential, Snookerprofi zu werden. "Mich hat der Sport auf dem TV-Sender Eurosport schon in jungen Jahren interessiert und gepackt."

Seit 2006 ist Marc Schöniger Snookerspieler. Zunächst verfolgte er das Spiel nur am Fernseher, kurze Zeit später versuchte er sich selbst daran. "Bei diesem Sport kann man in jeder Partie viel dazulernen", sagt der Mann aus dem Eifeldorf Rieden. Zu Beginn spielte Schöniger beim Snookerclub Free Ball Mechernich in der Nähe von Euskirchen in der Oberliga, da er vom damaligen Trainer Franz-Josef Wagner im Club entdeckt wurde, ehe er zum Kölner-Snooker Club e.V. wechselte und seitdem dort in der 2. Bundesliga mitmischt. Der Verein in Köln fasst 80 Mitglieder. In Deutschland gibt es laut Wikipedia rund 4000 vereinsmäßig organisierte Spieler, während es in England mehr als sechs Millionen sind. "Es sind so viele Dinge, die mich an diesem Sport faszinieren", lächelt der Mann mit dem Irokesenschnitt, seien es nun die verschiedenen Reihenfolgen, die Kugeln einzulochen, oder sei es der Versuch, so wenige Stöße wie möglich zu spielen, um alle Kugeln in den Taschen zu versenken. Außerdem wird dieser Sport zum größten Teil im Kopf entschieden, was eine starke mentale Fitness und gute Konzentrationsstärke voraussetzt.

Neben regelmäßigem Trainieren und Spielen für den Verein, fährt der mittelgroße Eifeler zu Trainingscamps, die in ganz Deutschland angeboten werden. "Durch diesen Sport wird man im jungen Alter schon selbständiger", erklärt er. Als er in Rüsselsheim in solch einem Camp war, wurde der beste deutsche Snookerspieler Lasse Münstermann auf den damals 11-Jährigen aufmerksam. Fortan trainiert Schöniger nicht nur im Verein, sondern auch mit professionellem Coaching von Lasse Münstermann.

Schöniger trainiert jeden Tag nach der Schule zwei bis vier Stunden. Das Training besteht darin, die misslungenen Situationen im vergangenen Match wieder aufzuarbeiten und zu verbessern. Dadurch hebt sich der Leistungsstand, und die Chance wird größer, stärkere Gegner zu bezwingen. "Zudem ist man jedes dritte Wochenende auf Turnieren. Dafür muss man freitags nach der Schule direkt losfahren, und man ist erst sonntags abends wieder zu Hause", berichtet er. Dann bleibt neben der Schule nur noch wenig Zeit übrig. Die Unterstützung der Eltern ist wichtig. Ob nun finanziell, mental vor Turnieren oder durch Fahrten zum Flughafen oder Bahnhof: Der Jungprofi weiß den Einsatz seiner Eltern zu schätzen: "Man wird zwar unabhängiger durch diesen Sport, doch ist es trotzdem wichtig, seine Eltern hinter sich zu haben."

Seinen Traum, nach England zu ziehen, hat er aufgegeben, da es schwierig ist und viele Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um Snookerprofi zu werden. "Es ist realistischer, im Lotto 5 oder 6 Richtige zu haben, als unter den Top 100 der Welt zu sein", bestätigt Lasse Münstermann. Vor allem braucht man Sponsoren, die einen so lange finanziell unterstützen, bis man sich konstant in die Top 16 der Welt gespielt hat. Denn nur dann kann man allein mit Snooker genug Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. So entschied sich Schöniger für ein duales Studium im Bereich Fahrzeugtechnik, um für ein sicheres Einkommen zu sorgen. Heute trainiert und spielt Marc Schöniger immer noch beim Snookerclub Köln und mit Lasse Münstermann. Schöniger verdient dabei im Amateurbereich durch Turniersiege oder gute Plazierungen Geld.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Ins Runde, nicht ins Eckige
Autor
Nicolas Schmitt
Schule
Megina-Gymnasium , Mayen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2016, Nr. 68, S. 24
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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