Eine feste Burg

Hoch über dem Dorf Annweiler im Pfälzer Wald ragt der Trifels auf einem mächtigen, rostroten länglichen Sandsteinfelsen empor. Die Burg ist ebenfalls aus rotem Sandstein gebaut. Weithin sichtbar sind das Hauptgebäude, das den Hohenstaufersaal enthält, und der daneben gelegene Bergfried, in dem sich die Kapelle befindet. Um diesen Hauptkomplex herum liegen weitere Gebäude und Mauern, zum Beispiel das alte Verwaltungshaus und der Brunnenturm. Beim Trifels handelt es sich um eine der wichtigsten deutschen Burgen, die Lieblingsburg Kaiser Friedrich Barbarossas, die wohl längst verkommen wäre, wenn es nicht den Trifelsverein gäbe. Seit 150 Jahren kümmert sich der Verein um den Trifels.

"Restaurieren, informieren, dokumentieren und vieles mehr. Der Trifelsverein hat immer etwas zu tun", sagt Vorsitzende Marlies Meyring. Die zierliche ältere Dame, inzwischen zweifache Großmutter, hat kurze, graue Haare, trägt eine blaue Bluse und eine graublaue Hose. Bei gutem Wetter erklärt die Führerin der kleinen Gruppe anschaulich die Geschichte der Burg und des Vereins. Die Stimmung im Inneren der Burg ist andächtig und hat fast schon sakralen Charakter. "Als der Verein gegründet wurde, war die Burg nur noch eine klägliche Ruine und wurde als Steinbruch missbraucht. Dann besann man sich, dass die Burg, in der im Mittelalter die Reichsinsignien aufbewahrt wurden und auf der sogar Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde, erhaltenswert war", erläutert Marlies Meyring, die vor ihrem Ruhestand Regionalpolitikerin und Direktorin einer Grundund Hauptsschule war. Die bayerische Staatsregierung, damals verantwortlich für die Pfalz, übertrug dem Verein die Aufgabe, sich um die Ruine zu kümmern, und unterstützte dies finanziell. Alles begann mit Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten. In den dreißiger Jahren wollten die Nationalsozialisten die Burg als "nationale Weihstätte" benutzen und ließen sie wiederaufbauen. "Ein großer Teil der alten Burg ist nicht mehr original, sondern entspricht den Plänen des deutschen Architekten Rudolf Esterer. Leider weiß bis heute niemand, wie die Burg früher genau aussah." Stolz ist die 76-Jährige auf die jüngste Leistung des Vereins, eine neue Architekturbeleuchtung mit LED. "Jetzt hat der Insektengrill ein Ende."

Im Sommer gibt es Konzerte und Vorträge auf der Burg. "In Kooperation mit dem Land Rheinland-Pfalz möchten wir das alte Verwaltungshaus restaurieren, um dort die Besucher der Veranstaltungen bewirtschaften zu können. Dabei ist das nasse Mauerwerk das größte Problem", sagt Marlies Meyring. Im Jubiläumsjahr gibt es eine Weinprobe und einige Konzerte. Der 300 Mitglieder zählende Verein hat die Ausstattung der Innenräume ermöglicht: Vitrinen, Kronleuchter und eine originalgetreue Nachbildung der Reichsinsignien und vieles mehr. "Die Kosten von mehreren hunderttausend Euro in den letzten Jahrzehnten konnten wir nur mit Hilfe des Sponsorings von Privatpersonen und Firmen stemmen. Die ideelle Unterstützung ist das Hauptanliegen vieler Mitglieder. Jedes Mitglied liefert mindestens 5 Euro im Jahr und legt im Übrigen seinen Beitrag selbst fest. Der Verein ist gut damit gefahren."

Während des Rundgangs spürt man, mit wie viel Zeit und Kostenaufwand das Mittelalter zum Leben erweckt wird. In der Kapelle erklingt mittelalterliche Musik, und ein Film zeigt die Geschichte der Burg. Zu tun bleibt viel. Der Kronleuchter im Kaisersaal wird umgerüstet, weil die Wachskerzen aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften nicht mehr brennen dürfen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Eine feste Burg
Autor
Martin Krüge
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2016, Nr. 207, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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