Christian ist Stylemaler

Es ist auf eine Art und Weise auch eine Sucht", sagt Christian Peters über sein Hobby. Mit seiner Atemmaske im Gesicht, der Kappe falsch herum und der Sprühdose in der linken Hand steht der 23-Jährige stolz vor seinem neusten Werk. Auf der 30 Meter langen, eindrucksvollen Wand befinden sich fünf farbenfrohe Bilder. So wie viele Städte stellt auch Koblenz-Lützel Graffiti-Künstlern eine freie Fläche zum Besprühen zur Verfügung. Alle illegal gesprühten Graffiti werden in Koblenz in weniger als 24 Stunden vernichtet.

Ein- bis zweimal die Woche wird Christian zu "Reos", so nennt er sich. Die Signatur ist nämlich das, was seine Bilder ausmachen, denn er gehört zu den "Stylemalern". Diese sprühen Graffiti, die den Sprayer durch seinen Künstlernamen repräsentieren. Das geschieht ausschließlich durch die Verwendung von im Namen vorhandenen Buchstaben in verschiedenen Schriftarten. "Der Name ist wichtig für den Wiedererkennungswert und die Verbreitung meiner Werke", sagt er und packt seine Sprühdose in seine Umhängetasche. Es gibt auch sogenannte "Character-Maler", die Charaktere und Figuren malen.

Um immer wieder neue Bilder malen zu können, müssen alte übermalt werden. Dazu werden Teile der Wand von den Künstlern regelmäßig neu gestrichen. "In der Regel malt man erst auf Papier, was man an der Wand haben will, damit man einen Anhaltspunkt hat", sagt Reos. Danach wird die Skizze auf die freie Fläche übertragen, damit Buchstabe für Buchstabe mit Farbe gefüllt werden kann. Es sei eine reine Übungssache. Der Elektroniker hat im Alter von 16 Jahren damit angefangen, indem er Zeichnungen auf Papier angefertigt hat. Seit vier Jahren übt er seine Kunst in größeren Dimensionen aus.

Reos hat mit der Zeit herausgefunden, welche Farben am besten zusammen harmonieren und wie man die Buchstaben jedes Mal neu erfinden und verbinden kann. "Es sind immer die gleichen Buchstaben, aber jeder macht sie anders. Das ist das Besondere daran." Dass jeder Künstler seinen eigenen Style entwickelt, wird unter anderem in seiner vierköpfigen Clique, die sich die CMZ-Crew nennt, deutlich. In der Gruppe entstehen meist größere Kunstwerke, die ungefähr acht bis neun Stunden in Anspruch nehmen. In dem abgelegenen Stadtteil haben die Künstler die Möglichkeit, unter sich zu sein, aber auch Besucher kommen häufig hierhin. "Die Menschen zeigen, dass ihnen gefällt, was wir tun", sagt er und berichtet, dass er gelegentlich Aufträge bekommt. "Das hat nicht mehr viel mit künstlerischer Freiheit zu tun, aber es schadet trotzdem nicht, nebenbei auch etwas zu verdienen." Der selbstbewusste Graffiti-Maler nimmt aber nicht alle Aufträge an.

Er hat dank seinem Hobby auch in größeren Städten Freundschaften geschlossen. "Gute sogar! Durch Graffiti habe ich stets Kontakt zu Künstlern in Trier." Auf sogenannten Jams, die alle zwei Jahre auch in Koblenz stattfinden, haben die Sprayer die Möglichkeit, sich kennenzulernen, ihr Können unter Beweis zu stellen und voneinander zu lernen. "Der Respekt untereinander ist einfach eines der schönsten Dinge an unserer Arbeit."

Erfahrungsgemäß hat er sich auf zwei Hersteller seiner Sprühdosen festgelegt. Diese nennen sich Montana-Black und Belton. Für sein Material gibt er im Monat bis zu 100 Euro aus. Das sei es ihm wert. Nach zahlreichen Komplimenten von Passanten fotografiert er nach fünf Stunden Arbeit das neue Bild mit dem Schriftzug "Reos" und erklärt: "Ich mache das Ganze in erster Linie aus Spaß."

Informationen zum Beitrag

Titel
Christian ist Stylemaler
Autor
Laura Romankiewicz
Schule
Megina-Gymnasium , Mayen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2016, Nr. 290, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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