In neun Ländern hat er seine Frau geheiratet

Ein portugiesischer Professor hat alle Länder der Welt bereist, flog aus Facebook, probierte Fledermaus und fand zum Glauben

Und wie viele Länder hast du? Mit dieser Frage hat alles angefangen. João Paulo Peixoto, der 53 Jahre alter Professor für Management an der Hochschule IESF in Porto und Vater von sieben Kindern, davon drei aus der ersten Ehe, hat alle Länder der Welt besucht. Die Frage stellte ihm sein Cousin Jorge Sequeira, mit dem er in der Ukraine gewesen ist. Er verstand nicht, was sein Cousin damit meinte. "Länder haben" sollte heißen, Länder besuchen. Sequeria "hatte" nämlich schon 50 und João Paulo Peixoto erst 30. So entschloss er sich, seinen Cousin zu überholen. Nachdem er dies geschafft hatte, war das nächste Ziel 100 Staaten. Später, als er hörte, dass Papst Johannes Paul II. schon 150 Länder besucht hatte, wollte Peixoto auch ihn übertreffen. Zuletzt waren nicht mehr viele Länder übrig, also entschied sich der Geschäftsmann, "die Welt zu beenden".

Auch auf Portugiesisch klingt dieser Satz nicht gut, aber João Paulo Peixoto möchte nicht sagen, er sei der meistgereiste Portugiese der Welt. "Das sind Sachen, die die Reisenden für sich selbst behalten." Vielleicht seien andere in der gleichen Position wie er, ohne dass es jemand weiß. "Ich habe mir ein Ziel gesetzt, mich dem einige Jahre lang gewidmet, und jetzt habe ich es erfüllt."

Geboren in Braga, einer kleinen Stadt im Norden Portugals, verließ João Paulo Peixoto das Land zum ersten Mal, als er klein war, und fuhr nach Spanien, "um Süßigkeiten zu kaufen, wie fast alle Portugiesen". Sein letzter Stempel im Reisepass stammt aus Israel aus dem Jahr 2011. Als die Reise schon gebucht war, entstand ein Problem, nämlich ein neues Land: Südsudan wurde am 14. Juli 2011 von der UN als 193. Mitgliedstaat anerkannt. Also flog er erst in den neuen Staat, um danach die Welt mit Israel zu "beenden".

Peixoto lacht, als er über die lustigste Geschichte seiner Reisen befragt wird. Er nimmt sein Handy. "Ich wurde aus Facebook rausgeschmissen." Als er in Papua nördlich von Australien war, sei er bei den Eingeborenen, die halbnackt in ihrer traditionellen Kleidung waren, gewesen und habe Fotos mit ihnen auf Facebook gepostet. Für Facebook war das ein anstößiges Bild, sein Profil wurde gesperrt. Zweimal wurde João Paulo Peixoto verhaftet, einmal in Kongo, weil korrupte Polizisten Geld von ihm wollten, und ein anderes Mal im Jemen 2011. "Ich wurde verhört, so wie in den Filmen sogar mit dem guten und dem bösen Polizisten." Sie glaubten, er sei ein amerikanischer Spion. Später wurde er freigelassen und reiste 15 Tage durch den Jemen.

Peixoto hat schon neun Mal dieselbe Frau geheiratet, jedes Mal in einem anderen Land mit anderen Bräuchen. Er versucht immer wieder seine Frau neu zu überraschen. Sie weiß nie, wann die nächste Hochzeit ist. Die erste Ehe vor sieben Jahren erfolgte impulsiv und war eine orthodoxe Zeremonie in Äthiopien im Hotelgarten. Erst später haben sie offiziell in Portugal geheiratet, aber heimlich, ohne es jemand zu erzählen. Erst dann feierten sie mit allen Freunden und Verwandten drei Tage lang.

Peixoto liebt es sowohl allein als auch mit seiner Familie oder mit Gruppen zu reisen. Mit der ganzen Familie sei es immer ein großer Spaß. "Es ist wunderbar. Super. Es ist ein totaler Wirrwarr." Immerhin seien sie neun Personen, seine zweite Frau hat zwei Kinder in die Ehe gebracht. In Indien mussten sie einen Van buchen, damit alle herumreisen konnten. Normalerweise kennen sich die Reisenden durch Websites wie zum Beispiel www.nomadmania.com. Dort kann man die Länder, Städte und Regionen, die man schon besucht hat, auflisten und sich die Rankings der Mehrgereisten anschauen. Viele lernen sich durchs Reisen kennen. Im Sommer wird der Professor einen deutschen Freund besuchen, der eine Party anlässlich seines 100. Landes gibt.

Drei wichtige Lektionen hat Peixoto auf seinen Reisen gelernt: Fängt man mit Reisen an, werde man süchtig und könne es nicht mehr stoppen. Vor den Reisen glaubte Peixoto nicht an Gott. Jetzt glaubt er. Er verstand, dass die Religionen, gleich in welchem Land, alle ähnlich sind. Und er begann, nicht an alles, was im Fernsehen zu sehen ist, zu glauben. Für ihn sind Muslime "die herzlichten Menschen, die es gibt". Einmal vergaß Peixoto seine Kamera in einem Garten. Sie lag noch da. Er fragte einem Muslim, weshalb niemand sie weggenommen hatte, der antwortete: "Stehlen ist schlecht."

Die unvorstellbarsten Erfahrungen hatte er in Indonesien, dort tauchten Hund, Pferd und Fledermaus im Menü auf. Er probierte es aus. In Mauretanien stellte er fest, dass es noch Sklaven gibt und sie den Nachnamen der Familien, für die sie arbeiten, tragen. Wenn Peixoto reist, bevorzugt er es, mit dem Auto zu fahren, um tatsächlich alles zu sehen. "Nach Peking zu fliegen heißt nicht, China kennenlernen."

Informationen zum Beitrag

Titel
In neun Ländern hat er seine Frau geheiratet
Autor
Inês Morgado
Schule
Deutsche Schule , Porto
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2018, Nr. 88, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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